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Der Liebesbrief – Plädoyer für eine fast vergessene Kunst

Der Liebesbrief – Plädoyer für eine fast vergessene Kunst

„Seit ich fortgegangen bin, bin ich durchgehend niedergeschlagen. Mein Glück ist es, dir nahe zu sein. Unaufhörlich durchlebe ich in meiner Erinnerung deine Liebkosungen, deine Tränen, deine liebevolle Besorgtheit. Die Reize der unvergleichlichen Josephine nähren immerzu ein Brennen und eine glühende Flamme in meinem Herzen.“

Und jetzt mal ehrlich: Was denken Sie beim Lesen dieser Zeilen? Finden Sie das Geständnis ergreifend und romantisch? Oder fühlen Sie sich doch eher peinlich berührt? Und Hand aufs Herz: Könnten Sie sich vorstellen, ähnliche Worte an Ihren Liebsten bzw. Ihre Liebste niederzuschreiben, so wie es hier vor über 200 Jahren Napoleon Bonaparte an seine erste Ehefrau Josephine de Beauharnais tat…?

Die Deutschen sind Liebesbrief-Muffel

Eine jüngste Umfrage ergab, dass 48% der Deutschen noch nie einen Liebesbrief geschrieben haben, während 38% es zuletzt als Teenager taten. Was den Schluss zulässt, dass man hierzulande schriftliche Gefühlsbekundungen wahlweise für obsolet oder für eine vorübergehende Entgleisung hormonell verwirrter Fastmenschen hält.

Nur 14% bekennen, erst kürzlich Liebesschwüre verfasst zu haben; eine bescheidene Quote angesichts der Tatsache, dass Deutschland einst als Land der Dichter und Romantiker galt.

Das Bild hat das Wort längst abgelöst

„Liebesbriefe verlieren durch die Digitalisierung ihre Relevanz. Zudem hat das Bild, befördert durch Social Media, das geschriebene Wort als Inhalt abgelöst.“, sagt Christa Appelt.

In Zeiten von Instagram, Facebook und Snapchat sind Fotos zum wichtigsten Leitmedium geworden, um Gefühle und Befindlichkeiten auszudrücken. Und Emojis besorgen den Rest.

Die mediale Verschiebung in den digitalen Raum geht mit einer Ökonomisierung der Worte einher – man fasst sich kurz, bearbeitet nach Belieben und löscht, was nicht mehr up to date erscheint. Willkommen in der Welt der Unverbindlichkeit und der volatilen Befindlichkeit!

Von tiefen Gefühlen und echter Zuneigung

Ein Liebesbrief als Ausdruck höchster Intimität und ernsthafter Gefühle wirkt da für viele einfach nicht mehr zeitgemäß; zumal derartige Zeilen für die vermeintliche Ewigkeit Mut und Selbstbewusstsein erfordern. „Wer einen Liebesbrief schreibt, setzt sich auch immer dem Risiko aus, dass seine Gefühle vielleicht nicht erwidert werden. Oder Irritation hervorrufen. Es zeugt von Haltung und Souveränität Einblick in seine Seele zu geben, sich seiner Verletzlichkeit auszusetzen. Umso mehr Respekt sollte man vor demjenigen haben, der sich traut, seine Gefühle niederzuschreiben und dem Objekt seiner Begierde zu senden.“, so Christa Appelt.

Seien Sie authentisch und kreativ

Tatsache ist nämlich auch, dass der Empfänger*in in den meisten Fällen sehr gerührt ist – und den Brief als etwas sehr Wertvolles und Bereicherndes schätzt. Erst recht, wenn er handgeschrieben und im wahrsten Sinne „unauslöschlich“ daherkommt.

Doch auch in einer Email oder einer epischen What’s App können Liebesschwüre ihre ganz eigene Magie versprühen – sofern die Zeilen aufrichtig, authentisch und persönlich sind. Von Copy und Paste raten wir in diesem Fall also dringend ab…

Die richtigen Worte für die große Liebe

Wenn selbst ein viriler Berserker wie Napoloen, der als Feld- und Kriegsherr ja nicht gerade für seine Zimperlichkeit bekannt war, schmachtende Worte findet, dann sollte es dem Mann von heute ein Leichtes sein, die Angebetete mit betörenden Zeilen zu umgarnen.

Man muss nur wollen – und natürlich auch ein klein wenig können. Versuchen Sie’s doch einfach mal wieder. Und vielleicht finden Sie ja Gefallen an der neuen Lust am Liebesbrief und zeigen dem guten, alten Napoleon sowie anderen berühmten Liebesbriefverfassern wie Goethe, Oscar Wilde und Richard Burton welch ungeahnte Talente in Ihnen schlummern.

 

Bildrechtenachweis:
© Agnes Kantaruk – Shutterstock

 

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